Direktvermarktung ohne Kennzeichnungsfehler

Auf der diesjährigen AB HOF 2020 in Wieselburg hatten wir zweimal die Möglichkeit, einen Workshop über die rechtlichen Anforderungen bei der Etikettengestaltung abzuhalten. Das Interesse war an beiden Tagen sehr groß, was sich an den zahlreichen produktspezifischen Fragen abzeichnete.

Clemens Meissl von der Agentur Ritt hatte in den Workshop Antworten zu den bereits im Vorfeld gestellten Fragen eingearbeitet. Für alle die (noch) keine Gelegenheit hatten, den Vortrag zu besuchen möchten wir auf diesem Wege nochmals die wichtigsten Grundlagen der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV, EU (EG) 1169/2011) herausstreichen:

Bei der Gestaltung von Etiketten ist es immer wichtig daran zu denken, dass das Etikett die KonsumentInnen vor Täuschung und Irreführung schützen soll!

Verpflichtende Kennzeichnungselemente:

  1. Sachbezeichnung: Die Sachbezeichnung muss dem Konsumenten die Information vermitteln um welches Lebensmittel es sich handelt und was zu erwarten ist. Das Österreichische Lebensmittelbuch (Codex Alimentarius Austriacus) gibt rechtlich zugelassene Sachbezeichnungen vor.
  2. Nettofüllmenge: Die Nettofüllmenge ist in Litern, Zentilitern oder Millilitern bei flüssigen und in Kilogramm oder Gramm bei allen sonstigen Lebensmitteln anzugeben.
  3. Mindesthaltbarkeitsdatum: Hierzu sind exakte Wortlaute vorgegeben. Je nach Haltbarkeitsdauer muss „Mindestens haltbar bis“ gefolgt von Tag, Monat (Jahr) oder „Mindestens haltbar bis Ende“ gefolgt von Monat und Jahr bzw. nur dem jeweiligen Jahr angegeben werden. Bei mikrobiologisch sehr sensiblen Produkten ist ein Verbrauchsdatum „zu verbrauchen bis“ anzugeben. Sofern über das Mindesthaltbarkeitsdatum keine Rückverfolgbarkeit gewährleistet ist oder die Variante „Mindestens haltbar bis Ende“ gewählt wird, muss auch eine Chargennummer aufgedruckt werden.
  4. Zutatenverzeichnis inkl. QUID-Deklaration und Allergenkennzeichnung: Das Zutatenverzeichnis muss in Form einer Auflistung (mit der mengenmäßig größten Zutat beginnen) auf dem Etikett angeführt sein. QUID bedeutet Quantitative Ingredient Declaration. Für das produzierte Lebensmittel müssen somit wertbestimmende Zutaten auch mit ihrem prozentuellen Anteil angegeben werden. Die 14 deklarationspflichtigen Allergene müssen in der Zutatenliste hervorgehoben werden (zB. fett, in Großbuchstaben, unterstrichen, etc.). Wenn Allergene mehrmals in verschiedenen Zutaten vorkommen, müssen sie auch mehrmals deutlich gemacht werden.
  5. Name und Anschrift des Lebensmittelunternehmens: Gemäß LMIV ist die vollständige Postanschrift am Etikett anzugeben. Eine Website alleine ist nicht ausreichend.
  6. Nährwertdeklaration: Diese ist in Form einer definierten Tabelle inkl. vorgegebener Rundungen und Einheiten anzugeben. Zumindest müssen die BIG 7 je 100 g bzw. je 100 ml angeführt sein:
Nährwerttabelle

Gemäß Anhang V der LMIV sind Lebensmittel, einschließlich handwerklich hergestellter Lebensmittel, die direkt in kleinen Mengen von Erzeugnissen durch den Hersteller an den Endverbraucher oder an lokale Einzelhandelsgeschäfte abgegeben werden, die die Erzeugnisse unmittelbar an den Endverbraucher abgeben, ausgenommen. Diese Ausnahme ist zur Vermeidung eine unnötige Belastung von Lebensmittelunternehmen getroffen worden. Jedoch ist hierbei zu beachten, dass mit „lokal“ ein regionaler, punktueller Vertrieb gemeint ist. Sofern Produkte online über den eigenen Webshop oder eine andere Vermarktungsplattform angeboten werden oder aufgrund einer großen Nachfrage überregional in Supermarktketten gelistet werden, ist eine Nährwertkennzeichnung erforderlich.

Kennzeichnungselemente, die gegebenenfalls bzw. je nach Produkt verpflichtend werden.

  • Lagerhinweise: Sofern ein Lagerhinweis (zB. „gekühlt lagern“ oder „vor Wärme geschützt lagern“) erforderlich ist, muss dieser an das Haltbarkeitsdatum gekoppelt sein.
  • Herkunftskennzeichnung: Bei gewissen Lebensmittel wie beispielsweise Fleisch (Rind, Schwein, Schaf, Lamm, Ziege und Hausgeflügel oder Obst & Gemüse ist eine Herkunftsauslobung verpflichtend. Sofern das Etikett durch graphische Darstellungen wie beispielsweise Fahnen beim Konsumenten eine Herkunft assoziieren lässt und diese aber nicht der Wahrheit entspricht, dann ist die Herkunft/der Ursprung richtig zu stellen. Mit 1.4.2020 tritt die Durchführungsverordnung (EU) 2018/775 zur Herkunftskennzeichnung der primären Zutat eines Lebensmittels in Kraft. Grundsätzlich war dies auch schon in der Lebensmittelinformationsverordnung festgelegt, jedoch wurde nun auch definiert wie dies umzusetzten ist. Das heißt nun, dass primäre Zutaten, also Zutaten die mindestens 50% des Lebensmittels ausmachen und alle anderen Zutaten die als wertbestimmende Zutat (siehe oben bei QUID) angesehen werden müssen „herkunftsberichtigt“ werden, sofern durch die Verpackung eine Irreführung vorliegt. Am 11.02.2020 wurde dazu ein FAQ zur Anwendung seitens des BMSGPK veröffentlicht.
  • Gebrauchsanleitung: Eine Gebrauchsanleitung ist dann nötig, wenn zur Zubereitung vor dem Verzehr gewisse Schritte notwendig sind.
  • Alkoholgehalt: Bei Getränken mit einem Alkoholgehalt über 1,2 % vol muss dieser angegeben sein.
  • Einfrierdatum: Sollten Sie Fleisch, Fleischzubereitungen oder unverarbeitete Fischereierzeugnisse einfrieren, dann ist hierzu das Datum des Einfrierens anzugeben. Dabei muss der Wortlaut „eingefroren am“ verwendet werden.

Kennzeichnungspflichten im Online-Shop:

Wenn Sie einen eigenen Online-Shop betreiben, so müssen Sie auch alle verpflichtenden Angaben (außer dem Mindesthaltbarkeits- oder Verbrauchsdatum) zum Zeitpunkt der Bestellung dem Konsumenten zur Verfügung stellen.

Selbstverständlich gibt es zu all diesen aufgelisteten Kennzeichnungselementen Ausnahmen und besondere Vorschriften, die je Lebensmittel variieren können.

Sollten Sie bei der Gestaltung oder bei rechtlichen Fragen unsere Unterstützung benötigen, würden wir uns über Ihre Kontaktaufnahme sehr freuen.

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